Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

"Eine Verhaltensstörung oder Auffälligkeit liegt erst dann vor, wenn ein erhebliches, dauerhaftes und immer wieder auftretendes Missverhältnis zwischen den Normalansprüchen der Umwelt und dem individuellen Beitrag, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, vorliegt. Die beobachtbaren Auffälligkeiten sind durch organische Schädigungen (Behinderungen) nicht erklärbar"
(Keller & Nowak, 1993, 356).

Grundsätzlich gilt, dass hinter "auffälligen" Verhaltensweisen innere Spannungen oder Konflikte verborgen sind.
Hinter die Fassade zu schauen, kann helfen, ein Kind besser zu verstehen und angemessen auf
störendes Verhalten reagieren zu können.

Was zählt zu den Verhaltensauffälligkeiten?

Soziale Störungen

z.B. Aggressionen

Eltern und Pädagogen kommen oftmals an ihre Grenzen, wenn Kinder aggressives Verhalten zeigen. Sie geraten mit anderen
immer wieder in Konflikt. Es treten Probleme in sozialen Kontakten auf und die Kinder werden als besonders störend
und unangenehm empfunden.

Es wird nach Ursachen gesucht. Aggressives Verhalten ist aber nicht immer Grund zur Sorge, denn Kinder lernen noch ihre Gefühle,
wie Wut, Trauer, Verzweiflung und ähnliches, auszudrücken. Aggressionen gehören ins Gefühlsrepertoire eines jeden Menschen.
Kinder sind oftmals mit der Fülle von Emotionen, die auf die einwirken, überfordert.

Beobachtet man aggressives Verhalten über mehrer Monate und in verschiedenen Situationen, schwächte sie nicht ab,
ist anzuraten eine Beratungsstelle oder andere professionelle Hilfe aufzusuchen.


Funktionsstörungen innerhalb der Körpersphäre

z.B. Essstörungen

Von einer Esstörung kann gesprochen werden, wenn die Menge und die Variabilität der Nahrungsmittel nicht mehr dem "Normwert" des jeweiligen Alters entsprechen. Innere Impulse werden nicht mehr wahrgenommen und durch ein zu viel, zu wenig oder zu einseitiges Essen, ausgeglichen.

Zwischen normalen und gestörten Essverhalten sind die Grenzen zwar fließend, aber dennoch können klare Kriterien definiert werden. Die Persönlichkeit
des Kindes spielt eine wichtige Rolle. Oftmals sind Essstörungen noch mit anderen psychischen Störungen verbunden, wie z.B. Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, sowie Persönlichkeitsstörungen. Auch ist wichtig das Kommunikationsverhalten des Kindes zu beobachten. Denn auch hier können
Ursachen verborgen liegen, die eine Essstörung begünstigen.

Ca. 30% der 4-jährigen zeigen inkonstantes und wählerisches Essverhalten. Symptomatik: Verweigern des Essens, endloses Dehnen des Essens,
bestehen auf eine bestimmte Nahrungskonsistenz und andere. Eltern und Pädagogen kommen hier sehr schnell an ihre Gernzen, da die Sorge um das
gesundheitliche Wohl des Kindes sehr groß ist und die Handlungsmöglichkeiten begrenzt erscheinen. Auch hier gilt, wird das Verhalten über längere Zeit beobachtet, ist anzuraten professionelle Hilfe in Anspruch zunehmen.

noch andere: Einnässen, Schlafstörungen, Sprachstörungen

Abnorme Gewohnheiten innerhalb der Körpersphäre

z.B. Nägel kauen

Nach Schätzungen von Fachleuten, kauen 30% der Kinder und Jugendlichen an den Fingernägeln. Dennoch gilt das Nägelkauen in der Psychologie
immer noch als Randerscheinung und ist bislang nur wenig erforscht. Psychologen bezeichnen das Nägelkauen als Leerlaufhandlung, eine Angewohnheit,
die bei verschiedensten Anlässen auftreten kann und eine gewisse Befriedigung und Entlastung mit sich bringt. Nägelkauen ist immer ein Begleitsymptom,
eine Reaktion auf Stress und Überforderung. Hinter dem Nägelkauen ist nicht sofort eine schwere seelische Störung zu vermuten.

Auch 10 % der Erwachsenen sind betroffen. Das Problem des Nägelkauens ist auch die Scham, seine "geschundenen" Nägel in der Öffentlichkeit
vorzuzeigen. Dadurch entsteht wieder Druck, der das Nägelbeißen begünstig.

noch andere: Daumen lutschen, exzessive Masturbation…


Störungen der Grundstimmung

z.B. Ängstlichkeit

Jedes Kind hat mal Angst. Im Entwicklungszyklus der Kinder ist dies auch ganz normal. Die Angst vor der Dunkelheit, weil dort ein gefährliches
Tier lebt oder die Angst vor Fremden, oder von den Eltern getrennt zu werden. Nehmen die Ängste aber einen Raum ein, der es den Kinder
nicht mehr möglich macht, Freundschaften zu knüpfen, in den Kindergarten oder die Schule zu gehen, dann ist Hilfe notwendig.

Ein Kind oder Jugendlicher mit schweren Trennungsängsten könnte die folgenden Auffälligkeiten zeigen:

Konstante Gedanken und Ängste bezüglich der eigenen Sicherheit und der der Eltern
Verweigerung des Kita- oder Schulbesuchs
Häufige Magenschmerzen und andere körperliche Beschwerden
Starke Ängste außerhalb des Elternhauses zu übernachten
Sehr anhängliches Verhalten zu Hause
Panik oder Anfälle ("Koller","Rappel") bei der Trennung von den Eltern

Einige ängstliche Kinder haben Angst, Freundschaften zu schließen, oder jemanden anzusprechen und haben meistens außerhalb der Familie wenig
Freunde. Andere Kinder mit starken Ängsten denken viel über etwas nach, bevor es eintritt oder sorgen sich immer über die Schule, ihre Freundschaften
und Freizeitaktivitäten.

Ängstliche Kinder sind oftmals ruhig und "folgsam". Sie fallen mit ihren Problemen oftmals zu spät bis gar nicht auf.

Suchen Sie Beratung zu diesen Themen, können Sie mich gern anrufen.

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